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Salzburger Festspiele 2010: Ödipus auf Kolonos
Inszenierung: Peter Stein
Ödipus: Klaus Maria Brandauer
weitere Rollen: Winfried Goos, Anna Graenzer, Jürgen Holtz, Roman Kaminski, Roman
Kanonik, Michael Kinkel, Gerd Kunath, Detlef Lutz, Christian Nickel, Uli Pleßmann, Lucas Prisor, Michael Rothmann, Stephan Schäfer, Andreas
Seifert, Martin Seifert, Norbert Stöß, Katharina Susewind, Mathias
Znidarec
Ödipus, der Vatermörder,
der mit seiner Mutter vier Kinder gezeugt hat, der ausgestoßene,
geächtete Vagabund, kommt, von seiner Tochter Antigone geführt, nach
langen Jahren büßender Wanderschaft nach Kolonos, nach Athen, wo ihm
das Orakel von Delphi endlich Ruhe im Tode verheißen hat.
Ihn, den letzten der großen Heroen und einzigen legitimen Herrscher
Thebens, den vom Schicksal, von den Göttern unwissend in seine
Verbrechen Getriebenen, ihn lieben diese grausamen Götter und
verwandeln ihn mit seinem Tod in eine Schutzmacht für Athen, das ihm
freundlich Asyl gewährt hat. Fortan muss die Welt ohne die
Götterähnlichen weiterleben, beherrscht von Usurpatoren (Ödipus’
Schwager Kreon) und Neulingen der Macht (sein Sohn Polyneikes), die den
alten, sterbenden Mann mit Gewalt oder Überredung an sich zu bringen
suchen, um dadurch ihre widerstrebenden Herrschaftsansprüche zu
legitimieren. Ödipus, der sich mit Jähzorn gegen diese Vereinnahmung
wehrt, verflucht die Herrscher seiner Vaterstadt und schenkt sich der
dem Gesetz verpflichteten Stadt Athen und ihrem Herrscher Theseus, der
sich anschickt, die Demokratie zu entwickeln.
Diese Tragödie, mit 90 Jahren 406 v. Chr. geschrieben und erst fünf
Jahre später posthum aufgeführt, ist Sophokles’ letztes Werk, mit ihr
stirbt auch die attische Tragödie.
